Darstellung: Weniger ist mehr

Neulich, in einem Hamburger S-Bahnhof, sehe ich diesen Fahrstuhl. Oder genauer: Ich sehe das Bedienfeld dieses Fahrstuhls, und ich bin verwirrt.

Der Fahrstuhl hat nur zwei Stationen, eine oben auf dem Bahnsteig und eine unten beim Ausgang. Der Knopf mit der Null ist von einem grünen Ring umschlossen. Das muss der Start-Knopf sein! Halt, nein, doch nicht der mit der Null! Also dann der mit der Eins? Ich drücke ihn, die Türen schließen. Doch weiter passiert nichts.

Ich befinde mich auf der Ebene des Bahnsteigs. Jetzt verstehe ich: Die Null steht für den unteren Halt, die Eins für den oberen. Ich muss also die Null drücken, wenn ich vom Bahnsteig zum Ausgang gelangen will, und die Eins, wenn ich von unten nach oben zum Bahnsteig möchte. Das ist in diesem S-Bahnhof so, in einem anderen Bahnhof ist es genau umgekehrt. Dort befindet sich der Bahnsteig bei der Null und der Ausgang bei der Eins. Ganz klar: Hier besteht Optimierungsbedarf!

Die große Zahl an Bedienelementen verwirrt den Betrachter

Solche verwirrend angeordneten Elemente sehe ich häufig auch auf Präsentationsfolien. Wäre das Bedienfeld des Fahrstuhls eine Folie, dann würde ich auf jeden Fall diese Punkte hinterfragen:

  • Sind alle Knöpfe zwingend notwendig?
  • Wofür steht die Null, wofür die Eins? Ist diese Bezeichnung üblich, wird sie von allen verstanden?
  • Was hat der grüne Ring um den Knopf mit der Null zu bedeuten?
  • Braucht man wirklich zwei Knöpfe, um die Türen zu öffnen und zu schließen?

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Dank des Feedbacks meiner Kunden weiß ich, dass meine Fragen helfen, die Darstellung auf den PowerPoint-Folien mit anderen Augen zu sehen, nämlich mit den Augen des Publikums. Dieser Perspektivwechsel ist die Voraussetzung für die Gestaltung guter Folien, denn das Publikum mit seinem Vorwissen, seinen Gewohnheiten, Wünschen und Erwartungen ist hier das Maß aller Dinge.

  • Anzahl der Elemente
    Die Folie muss in drei Sekunden zu erfassen sein. Das gelingt nur mit reduzierten, aufgeräumten Folien. Das Wichtigste ist groß darzustellen, deutlich abgesetzt von anderen Inhalten.
  • Sprache, Fachvokabular
    Die Sprache muss klar, einfach und schnörkellos sein. Fachbegriffe und Abkürzungen müssen erklärt werden – auch vor Fachpublikum!
  • Hervorhebungen, z.B. durch Farbe
    Nur das Wichtigste auf der Folie darf hervorgehoben werden. Sollte es mehrere wichtige Elemente geben, so ist zu prüfen, ob diese als Gruppe dargestellt werden können oder ob man sie auf mehrere Folien verteilt. Evtl. ist der Einsatz einer Animation (schrittweises Aufbauen) sinnvoll. Die Art der Hervorhebungen muss im Verlauf der Präsentation konsistent und einheitlich sein.
  • Nutzen (Aussagekraft) der Elemente
    Alle Elemente ohne Nutzen für das Publikum sind zu entfernen. Das betrifft vor allem dekorative Objekte. Prüfen Sie, ob das Firmenlogo unbedingt auf jeder Folie zu sehen sein muss. Auch die Fußzeile mit Foliennummer und Datum ist auf der Leinwand überflüssig.

„Eine Präsentation ist nicht dann perfekt, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann.“ Nach Antoine de Saint-Exupéry, Terre des Hommes, III: L’Avion, p. 60 (1939)

Wäre das Bedienfeld des Fahrstuhls eine Folie, dann wäre das hier mein Vorschlag zur Optimierung:

Durch Weglassen überflüssiger Elemente schafft man Raum für das Wichtigste

Sehen Sie noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten? Dann immer her damit! Ich freue mich über Ihre Kommentare.

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Autor: Peter Claus Lamprecht

Ich bin Präsentationsberater mit ausgeprägter Hassliebe zu PowerPoint. Meine Spezialität sind verständliche Vorträge und überzeugende Präsentationen, die tatsächlich etwas bewirken, zum Beispiel im Vertrieb. Hier schreibe ich zu den Themen Präsentation, PowerPoint und Wirkung. Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann gefällt Ihnen bestimmt auch mein Newsletter „Kopfkino“ (etwa neun Ausgaben im Jahr).

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