Redner-Coaching vom Comedian: Interview mit Heino Trusheim

Heino Trusheim ist Stand-Up-Comedian aus Hamburg. Er spricht vor Leuten, um sie zu unterhalten und zum Lachen zu bringen. Als ich ihn kennenlernte, stand er gerade mal drei Jahre als Comedian auf der Bühne.
Heute, zehn Jahre und über 1.000 Auftritte später, hat er ein eigenes Comedy-Label gegründet und gibt seine Bühnenerfahrung in Coachings weiter, die sich an alle richten, die humorvoll und souverän vor Publikum sprechen wollen.

Das interessiert mich als Präsentationsberater natürlich besonders, und deshalb frage ich ihn im Interview, wie es dazu gekommen ist und was er genau in seinen Coachings vermitteln möchte.

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Peter Claus Lamprecht: Warum bist Du Comedian geworden? Gab es dafür einen bestimmten Grund oder einen Auslöser?

Heino Trusheim: Es gab nicht den einen entscheidenden Grund, sondern viele kleine Stationen, die mich zur Comedy geführt haben. Meine Mutter meinte mal, dass ich als 8-jähriger schon gesagt hätte: „Ich möchte Solo-Musiker werden.“ Also, irgendwie hat es mich wohl schon immer auf die Bühne gezogen. Mit 18 spielte ich dann Gitarre in Jazz-Bands, nach dem Umzug nach Hamburg besuchte ich so eine Art „Positives Denken“-Kurse von einer amerikanischen Bildungsfirma, deren Kernaussage war: „Du kannst alles schaffen, was du willst.“ Und dann saß ich eines Tages im Auto bei einer roten Ampel und fragte mich: „Wenn du alle Bedenken und Ängste mal beiseite schiebst, was würdest du eigentlich gerne machen?“ Und plötzlich hatte ich ein Bild vor mir: Ich sah mich auf einer Bühne mit einem Barhocker und einer Gitarre. Dann hab ich mein Lehramtsstudium geschmissen und wollte Liedermacher werden. Mein Gastroleiter bei Buddy Holly, wo ich später kellnerte, meinte dann zu mir, es gäbe den Quatsch-Comedy-Club und ich könnte doch auch Stand-Up-Comedy machen. Und ich dachte: „Stimmt, eigentlich ist das das Stärkste: Leute zum Lachen bringen.“ Und so fing ich dann an aufzutreten.

Wie fängt man als Comedian an? Muss man sich irgendwo bewerben?

Du fängst mit 10 Minuten an und trittst auf bei „Offenen Bühnen“ oder „Open Mics“, das ist das gleiche, klingt aber cooler. Diese Shows gibt es in jeder Stadt, du kannst da sofort auftreten, bekommst kein Geld, kannst aber üben und Erfahrungen sammeln. In diesen Open Mics bekommst du Kontakt zu anderen Comedians, die empfehlen dich eventuell weiter, so kommst du in die ersten bezahlten Shows und so weiter.

Wie lange dauert es, bis man fertig ausgebildet ist und mit einem Solo-Programm auf der Bühne steht?

Fertig ist man nie, es gibt immer was zu lernen. Wenn du 60 Minuten auf der Bühne stehen möchtest und mit allen Eventualitäten, die bei einem Auftritt passieren können, wie Reinrufen, ausfallenden Mikros, einschlafendem Publikum souverän umgehen möchtest, brauchst du fünf Jahre.

Du bietest Comedy-Workshops für den Nachwuchs an. Wie ist es dazu gekommen?

Ich kam dazu, weil ich 2012 in Hamburg Comedy-Shows veranstaltete. Doch die Reise- und Hotelkosten der Comedians, die von außerhalb kamen, fraßen den Gewinn auf. Also beschloss ich, Comedy-Shows mit Hamburger Comedians zu machen, um diese Kosten zu sparen. Es gab aber nicht genug Hamburger Comedians, die qualitativ dafür in Frage kamen. Also dachte ich: Gut, dann muss ich die halt aufbauen. Dann begann ich mit den Coachings und veranstaltete ein eigenes Open Mic in der Schanze, wo diese Anfänger dann üben konnten. Die Comedians entwickelten sich so gut, dass es sich herumsprach und immer mehr Comedians zu mir kamen, mittlerweile auch etablierte.

„Damit Menschen Dir zuhören, musst du sie geistig und emotional berühren.“ Heino Trusheim

Nun zu Deinen Redner-Coachings: Warum kommen die Teilnehmer zu Dir? Welche Schwierigkeiten haben sie?

Die Teilnehmer kommen zu mir, weil sie sich entweder unwohl beim Reden vor mehreren Zuhörern fühlen, humorvoller werden wollen oder Angst vor Reinrufern haben.
Wenn ich mir die Reden der Teilnehmer dann anschaue oder anhöre, sind es immer die gleichen Stolpersteine. Die Rede oder die Ansprache ist unpersönlich, trocken, theoretisch: inhaltsstark – aber totlangweilig. Wir Deutschen sind zu verkopft. Wir vergessen unseren Körper und unsere Gefühle. Wenn du Menschen zum Zuhören bringen willst, musst du sie geistig und emotional berühren, und das klappt nur, wenn du selbst etwas von dir preisgibst, in dem, was und wie du es sagst. Du musst natürlich bleiben. Der Trick ist: Rede so, wie du bei deinen Freunden redest, und du bist natürlich. Klingt banal, ist aber sehr schwierig umzusetzen. Dann noch etwas Handwerk, wie man Leute zum Lachen bringt, und die Zuhörer hängen an deinen Lippen.

Und die Angst vor Störern? Wie behandelst Du die?

Die Angst vor Störern kommt größtenteils daher, dass diese Reinrufe unerwartet passieren. Sie sind unberechenbar: Du weißt nicht, wann sie kommen. Du weißt nicht, woher sie kommen. Du weißt nicht, was gerufen wird. Man kann sich also nicht wirklich auf diese Reinrufe vorbereiten, sondern man muss spontan reagieren. Es ist aber schwer, spontan zu sein, wenn 20 Augenpaare auf dir ruhen, du aus deinem Konzept gerissen bist und die Sekunden für eine Antwort unerbittlich verstreichen. Du musst üben, ruhig zu bleiben, locker zu bleiben, aber im Kopf schnell zu denken: Will der Reinrufer mir einen reinwürgen oder hat er es nett gemeint?
Ich habe drei Wege: Ich kann es ignorieren, ich kann es kurz kommentieren oder ich kann zurückschießen. Wenn du statt einem Weg drei zur Verfügung hast, macht es dich sofort entspannter. Mit der Zeit lernst du schneller im Retournieren zu werden, wie beim Tennis: Du siehst den Ball eher kommen, du stellst dich besser zum Ball und du schlägst gezielter zurück.

Wie ist das Redner-Coaching aufgebaut? Wie viel Zeit sollten die Teilnehmer einplanen?

Es sollte unbedingt ein konkretes Ereignis, eine Rede oder Ähnliches bevorstehen. Dann treffen wir uns ca. drei Wochen vorher, wir klären die speziellen Stolpersteine des Teilnehmers, ich bringe ihm die Basics für Natürlichkeit beim Reden bei und dann erarbeiten wir im Gespräch den Rohtext. Dafür brauchen wir zwei bis drei Stunden.
Zwei Wochen später treffen wir uns wieder, üben noch mal die Basics und bringen den Text noch mehr in Mundform. Auch hierfür benötigen wir zwei bis drei Stunden.
Dann hält der Teilnehmer die Rede, nimmt sie in Audioform auf und wir besprechen beim nächsten Treffen den Auftritt. Diese Besprechung ist das Wertvollste und Effektivste an dem ganzen Coaching.

Heino, vielen Dank für das Gespräch!

Heino Trusheim
Stand-Up-Comedian und Coach
Aktuelles Solo-Programm: „Du lügst“ (Premiere Oktober 2015)
E-Mail:
Website: www.ilovestandup-academy.de

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Photo Credit: (1) Heino Trusheim, www.facebook.com/heino.trusheim, (2) Heino Trusheim, www.facebook.com/ilovestandupyea…

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Autor: Peter Claus Lamprecht

Ich bin Präsentationsberater mit ausgeprägter Hassliebe zu PowerPoint. Meine Spezialität sind verständliche Vorträge und überzeugende Präsentationen, die tatsächlich etwas bewirken, zum Beispiel im Vertrieb. Hier schreibe ich zu den Themen Präsentation, PowerPoint und Wirkung. Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann gefällt Ihnen bestimmt auch mein Newsletter „Kopfkino“ (etwa neun Ausgaben im Jahr).

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